Mediation ….

Zwei Geschichten über Kamele, Zahlen und mehr

1. Mit dem Kamel nach Mekka
Eines Tages ritt ein Mullah auf seinem Kamel nach Mekka. An einer Oase sah er drei weinende Männer stehen. Er hielt sein Kamel an und fragte: „Kinder, was ist los?” Sie antworteten: „Unser Vater ist für immer von uns gegangen und wir haben ihn so sehr geliebt.” „Er hinterließ uns Kamele. Und nach seinem letzten Willen bekommt der älteste Sohn die Hälfte, ein Drittel der Zweite und ein Neuntel der Jüngste. Wir lieben Kamele und wir akzeptieren die Anteile jedes einzelnen. Aber es gibt ein Problem:
Er hinterließ 17 Kamele und aus der Schule wissen wir, daß 17 eine Primzahl ist. Da wir Kamele lieben, können wir sie nicht teilen.” Der Mullah dachte eine Weile nach und sagte schließlich: „Ich werde Euch mein Kamel geben und Ihr werdet 18 haben.” Doch sie riefen: „Nein, das können Sie nicht tun, Sie sind unterwegs zu etwas Wichtigem...” Der Mullah unterbrach sie, „Kinder nehmt das Kamel und macht voran.”

So teilten sie durch 2 und der Älteste bekam 9 Kamele, 18 durch 3 und der Zweite erhielt 6 Kamele, 18 durch 9 und der Jüngste erhielt 2 Kamele. Zusammen 9+6+2=17 Kamele. Ein weiteres Kamel stand allein, das Kamel des Mullah. Er sagte: „Seid ihr zufrieden? Gut, wenn dem so ist, kann ich mein Kamel zurückhaben?” Und die drei Männer bejahten voller Dankbarkeit, noch ehe sich richtig verstanden, was passiert war. Der Mullah segnete sie, bestieg sein Kamel, und das letzte, was sie sahen, war eine einzige Staubwolke, die schnell in der Abendsonne niedersank.

 

2. Mit dem Auto durch die Wüste
Eines Tages durchquerte ein Rechtsanwalt mit seinem schmucken Auto die Wüste. Als er an einer Oase vorbeikam, sah er dort drei weinende Männer stehen. So hielt er sein Auto an und fragte: „Was ist los?” Und sie antworteten: „Unser Vater ist für immer von uns gegangen und wir haben ihn so geliebt.” „Aber”, sagte der Anwalt, „ich bin sicher, er hat ein Testament gemacht. Vielleicht kann ich Euch helfen, gegen eine Gebühr, versteht sich.”

Die drei Männer antworteten: „Ja, das tat er. Er hinterließ uns Kamele. In seinem Testament steht geschrieben, der Älteste bekommt die Hälfte, der Zweite ein Drittel und der Jüngste ein Sechstel. Wir lieben Kamele und wir akzeptieren die Anteile jedes einzelnen. Aber da ist ein Problem: Er hinterließ 17 Kamele und aus der Schule wissen wir, daß 17 eine Primzahl ist. Wir lieben Kamele und können sie nicht teilen. Der Anwalt dachte eine Weile nach und sagte dann: „Ganz einfach. Ihr gebt mir 5 Kamele, dann habt ihr 12. Ihr teilt durch 2, 3 und 6 und bekommt entsprechend 6, 4 und 2 Kamele.” So taten sie es. Der Anwalt band 5 unglückliche Kamele an sein Auto, und das letzte, was die Männer sahen, war eine gewaltige Staubwolke, die die Abendsonne bedeckte.


aus Conflict Transformation by Peacefull Means von Johan Galtung, übersetzt von H. Middelhof